YAAN Hintergrundwissen

Yaan Hintergrundwissen

 

Verständnis über Meditation

 

Das Wort Yaan kommt aus dem Thailändischen und bedeutet soviel wie

(ญาณ (ja:n–)) n. Ahnung {f}, Auffassung {f}, Auffassungsgabe {f}, Auffassungskraft {f}, Begriff {m}, Einfühlungsvermögen {n}, Eingebung {f}, Empfindung {f}, Erkenntnis {f,n}, Gespür {n}, Intuition {f}, Perzeption {f}, Vorstellung {f}, Wahrnehmung {f}, Wahrnehmungsvermögen {n}, unmittelbare Erkenntnis {f,n} n. P. S. Erkennen {n}, Erkenntnis {f,n}, Erkennung {f}, Wahrnehmung {f} n. poet. P. S. Einblick {m}, Einsicht {f}, Erkenntnis {f,n}, Erleuchtung {f}, Intelligenz {f}, Kenntnis {f}, Vision {f}, Wissen {n} v. erhellen, erleuchten.

Yaan beschreibt keine bestimmte Form der Meditation, sondern vielmehr das Versenken und Bewusstmachen der eigenen Wahrnehmung. Auf Thai sagt man auch Kau Yaan, also Yaan machen.

Die Yaan-Meditation unterscheidet sich in verschiedener Hinsicht von dem, was allgemein unter dem Begriff Meditation verstanden wird. Im Allgemeinen versteht man unter Meditation eine spirituelle Praxis, bei der man sich physisch (körperlich) und psychisch (geistig) in einen ruhenden und aktivitätsarmen Zustand versetzt. Häufig im Schneidersitz ausgeführt, soll der Meditierende zu innerer Ruhe gelangen, um einerseits Stress und Hektik abzubauen und seinen Gedankenfluss zu beruhigen, aber auch, um einen möglichen Zugang zu seinem höheren Selbst zu erlangen.

Davon ausgehend tendiert das gesellschaftliche Verständnis zum großen Teil dahin, Meditation als Instrument der psychischen Entwicklung anzusehen, misst ihr für den Alltag und seine physische Aktivität aber kaum Bedeutung bei.

Yaan-Meditation ist hingegen eine Praxis, bei der die eigene Funktionalität der Wahrnehmung mit den 5 Sinnen Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten sowie der dazugehörigen Auswertung trainiert wird. Es geht um ein Schärfen der eigenen Sinne und den bewussten Umgang damit. Als Menschen nutzen wir diese Anteile unserer Funktionalität zwar täglich für unser Überleben, da sie aber nicht an einen fassbaren Gegenstand oder ein Organ gekoppelt ist, bleibt sie überwiegend unbewusst und eine nicht hinterfragte Selbstverständlichkeit. Daher sind auch die Möglichkeiten, die sich aus einem bewussten Umgang damit ergeben können, nicht bekannt.

Bei der Yaan-Meditation geht es um eine praktische Auseinandersetzung durch Übungen, um sich der tatsächlich vorhandenen funktionellen Eigenschaften der Wahrnehmung und Auswertung bewusst zu werden, und sie entsprechend ihrer Möglichkeiten einzusetzen. Die Methode, mit der dieses Trainingsziel erreicht wird, beinhaltet ausschließlich Übungen der Selbstfindung, die zu eigenen Erkenntnissen und Fähigkeiten führen, anstelle theoretisch zu bleiben. Durch den bewussten Umgang mit der vorhandenen Funktionalität und auf der Grundlage von Logik besteht die Möglichkeit, bestimmte Ereignisse und Phänomene, die als Wunder angesehen werden, nicht nur zu erklären sondern auch selbst herbeizuführen.

 

Ursprung der Yaan-Meditation

 

Der Ursprung der Yaan-Meditation stammt aus dem Saiyasart, dem Wissen über das Nichts. Im Saiyasart geht es um die differenzierte Betrachtung aller vorhandenen Existenzen und Ereignisse. Maßgeblich ist dabei, dass die überlieferten Informationen des Saiyasart durch den Übenden zu eigener Gewissheit gebracht werden, anstelle sie zu glauben oder zu übernehmen. Zu den überlieferten Theorien gehören unter Anderem viele Geschichten mit philosophischem Hintergrund. Eine dieser Geschichten, die von Generation zu Generation überliefert wurden, bildet die Grundlage für die Yaan-Meditation. In der Geschichte „Der zwielichtige Zustand“ geht es vordergründig um ein augenscheinlich gewöhnliches Ereignis in einer natürlichen Umgebung. Versteckt und hintergründig beschreibt die Geschichte dabei jedoch den Übergang vom Jenseits zum Diesseits, der auch als Zwielichtzone bezeichnet wird.

 

Der zwielichtige Zustand

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Tief im Dschungel und fernab der Zivilisation, verborgen in den felsigen Schlupfwinkeln einer Bergformation, befand sich eine schwer zugängliche Höhle. Kein Mensch hatte sich je dorthin begeben und nur die Pflanzen und Tiere der Umgebung verliehen dem Ort die harmonische Natürlichkeit des Dschungels.

Eine Natürlichkeit, die sich durch den rhythmischen Zyklus der aufgehenden Sonne und der Wetterphänomene ergab, und zur Unterscheidung zwischen Tag und Nacht und den dazugehörigen Jahreszeiten führte. Eine Monotonie in einer zugleich abwechslungsreichen Umgebung, wie eine Ordnung in der Unordnung mit all ihren Auswirkungen. Unrhythmische Geräusche von Tieren und windverwehten Blättern ergaben die musikalische Begleitung dieses Zusammenseins in ausgeglichener und friedlicher Harmonie im Hier und Jetzt.

An einem Spätnachmittag, kurz bevor die Umgebung völlig von der Dunkelheit verschluckt wurde, gab es plötzlich ungewöhnliche und aufgeregte Geräusche, eine Aktivität, die von Vögeln und anderen Tieren des Dschungels stammte. Gemischt mit abgeknickten Ästen und zerwühlten Blättern signalisierten sie etwas Ungewöhnliches in dieser Normalität. Die Richtung der Veränderung wurde durch die Geräusche verraten, sowohl woher sie kamen, als auch in welche Richtung sie sich bewegten.

Ein muskulöser Mann, blutüberströmt, unter den Verletzungen eines Kampfes leidend, bahnte sich seinen Weg durch den Dschungel. In einer Hand hielt er ein Kampfschwert. Mit starrem Blick kam er eilig aus dem Tal in Richtung Berggipfel, sein Gesichtsausdruck verriet Schmerz und Wut. Dabei war er ohne Ängste und schien nicht auf der Flucht. Zielstrebig schritt er bewusst und kontrolliert voran, als wäre er auf der Suche nach einer bestimmten Umgebung.

Sein Weg endete an einer Felswand nahe dem verborgenen Eingang der Höhle. Die sich senkende Dunkelheit nahm ihm die Übersicht und die dichten Baumformationen machten seine Wahrnehmung fast unmöglich. Er suchte einen Platz zwischen kleinen Steinhügeln für sein Nachtlager und schlief nach kürzester Zeit friedlich an der Stelle ein.

In seinem Traum erschien ihm eine Gestalt aus Wolken mit einer Frauenstimme, die sich als Höhlenwächterin ausgab. Sie sei mit der Aufgabe betraut, Neuankömmlingen wie ihm, vor dem Eintritt in die Höhle eine erforderliche Botschaft zu übermitteln. Die Botschaft lautete, das der Durchgang in die Höhle an magische Bedingungen geknüpft sei, um sie zu passieren und zur anderen Seite zu gelangen. Die Bedingungen bestanden aus der Erfüllung der „Unverletzlichkeit“ und dem „Willkommen“, und galten für alle Durchgehenden. Nachdem sie ihre Botschaft überbracht hatte, löste sie sich in Luft auf.

Durch den ungewöhnlichen Inhalt seines Traumes war der Mann emotional verwirrt und unruhig, wodurch er spontan aufwachte. Er fand sich im Dschungel wieder, es war Tag, und alles war hell und erleuchtet. Doch die Helligkeit war nicht die ihm vertraute Helligkeit des Tages, mit ihren warmen Sonnenstrahlen. Es war eher eine silbrige Helligkeit, die auf seltsame Art alles erstrahlen ließ, und dabei keinerlei Wärme lieferte. Abgesehen davon war alles normal, er sah den Dschungel vor sich, ohne besondere Vorkommnisse.

Hinter ihm, direkt an der Felswand, verdeckt durch Bäume und Kletterpflanzen, befand sich der verborgenen Höhleneingang, ganz so, wie ihn die Höhlenwächterin beschrieben hatte. Er war überrascht und begab sich aus Neugier sofort zum Eingang der Höhle, ohne dabei zu bemerken, wie leicht und einfach er sich gegenwärtig bewegen konnte. Es war ganz so wie in einem gewöhnlichen Traum, in dem man keine eigene bildliche Wahrnehmung oder körperliche Empfindung wie im Wachsein hat.

Der Höhleneingang wirkte wie ein mit Nebel gefüllter Tunnel, sodass er weder Wände noch einen Durchgang erkennen konnte. Er hatte nicht das Gefühl, die Höhle überhaupt passieren zu können, oder zu sehen, wohin sie führte. Da erinnerte er sich wieder an die Botschaft der Höhlenwächterin und ihre Erklärung über die magischen Bedingungen der „Unverletzlichkeit“ und des „Willkommens“.

Die Unverletzlichkeit bezieht sich auf den gegenwärtigen Zustand des Daseins, indem das Ich ohne äußeres Mein (physisch) auskommt. Für den Durchgang stellt das Mein einen Hinderungsgrund dar, sofern es noch nicht abgelegt ist. Das Willkommen bezieht sich auf das gegenwärtige Ich im Diesseits, dass auf der anderen Seite des Durchgangs weder Gültigkeit noch Bedeutung hat. Wem es nicht gelingt, das gegenwärtige Ich loszulassen, der kann auch nicht von seinem zukünftigen Ich willkommen geheißen werden. Die Höhle ist für alle Ankömmlinge ein Übergang, wie eine Schwelle oder eine zwielichtiger Tunnel, der gleichzeitig als gegenwärtige Wirklichkeit und zukünftige Illusion existiert. Jeder ist für sich allein mit dem Durchschreiten des Tunnels beschäftigt, und erst durch die Akzeptanz dieses Zustandes verwandelt er sich in das einfache Sein, wodurch der Weg zur anderen Seite gegangen werden kann.

Inzwischen steht die Sonne hoch über den Baumspitzen und scheint mit ihren warmen Strahlen auf die Umgebung des Dschungels, wie an allen anderen Tagen auch. Alles scheint gewöhnlich zu sein, bis auf den Eingang der Höhle. Dort liegt ein menschlicher Leichnam, belagert von hungrigen Tieren. Von Allem was war und ist, wie auch immer es sein möge, bleibt nur ein normaler Tagesablauf im Dschungel.

Plai Tamin, 20.12.2015
(Übersetzung: Smingplai)

 

Hintergrund der Geschichte

 

Die versteckten Hinweise der Geschichte beziehen sich auf einen Durchgang, der wie ein Weg zwischen dem Jenseits und dem Diesseits besteht, und als zwielichtiger Übergang bezeichnet wird. Dieser Durchgang ist wie eine Schleuse zwischen zwei gegensätzlichen Umständen, bzw. Zuständen in verschiedenen Existenzsphären. Innerhalb dieser Schleuse herrschen wiederum Umstände, bzw. liegt ein Zustand vor, der eine Mischung aus den Umständen beider Seiten darstellt. Das unterschiedliche Mischungsverhältnis verhält sich dabei wie ein Filter, der in Abhängigkeit des jeweiligen Zustandes, das Durchqueren möglich oder unmöglich macht.

Die Existenz als Mensch, die eine typische Lebensform darstellt, befindet sich ebenfalls in einem bestimmten Mischungsverhältnis aus physischer Beschaffenheit und den funktionellen Eigenschaften der Psyche, vergleichbar mit dem Mischungsverhältnis in dem zwielichtigen Übergang. Durch Veränderung des Mischungsverhältnisses besteht demzufolge die Möglichkeit, sich zu der einen oder anderen Seite zu bewegen. Als Mensch besitzt man diese Fähigkeiten bereits, allgemein auch Überlebensfähigkeit bezeichnet. Um das Mischungsverhältnisses zu verändern, bzw. bewusst damit umgehen zu können, ist jedoch eine Auseinandersetzung und Aneignung notwendig. Aufgrund unserer bewussten Wahrnehmung der sichtbaren Welt haben wir dem Bereich der physischen Beschaffenheit seit unserer Geburt – auch durch die gesellschaftlichen Definitionen – mehr Bedeutung beigemessen und das Mischungsverhältnis auf diesen Bereich eingestellt. So haben wir uns aufgrund gegenwärtiger Erforderlichkeiten hinsichtlich unserer Lebensumstände sehr wenig mit den funktionellen Eigenschaften der Psyche auseinandergesetzt. Aus diesem Umstand heraus entwickeln sich im Alltag viele unlösbare Probleme, obwohl wir als Menschen die Möglichkeit zur Lösung unbewusst bereits in uns tragen.

Die Auseinandersetzung mit den unbewussten Eigenschaften und Fähigkeiten ist daher keine Nebenbeschäftigung, sondern ein Ansatz für die bewusste Nutzung aller Fähigkeiten als Mensch im Hier und Jetzt. Weit vor unserer Zeit gab es aus der Notwendigkeit heraus die Initiative zur Entwicklung unterschiedlicher Methoden, um die Umwandlung vom Unbewussten zum Bewussten für Jedermann zu ermöglichen. Eine dieser Methoden wurde auch in der Linie des Saiyasart tradiert. Dabei macht sich der Übende schrittweise seine Fähigkeiten bewusst, um zu einer komplexen Differenzierung über tatsächlich existierender Aspekte zu gelangen und gleichwohl die Voraussetzung für eine zielgerichtete Selbstfindung zu schaffen.

 

Das Training

 

Die Konzeption für die Aneignung und Bewusstmachung der Fähigkeiten besteht aus einem praktischen Training, das in zwei Abschnitten erfolgt, einem Anfangstraining (M1) und einem Fortgeschrittenentraining (M2).

Das Wahrnehmungstraining M1 beinhaltet Übungen für die physische und psychische Entspannung, um den Meditationszustand herzustellen. Die Übungen beziehen sich auf die Erweiterung der 5 Sinne, um sehen ohne zu sehen, hören ohne zu hören, riechen ohne zu riechen, schmecken ohne zu schmecken und tasten ohne zu tasten zu trainieren. Dabei geht es für jeden Sinn um die korrekte Datenzuordnung im Gedächtnis, die Datenzuordnung bei der Wahrnehmung und einen Verbindungskorridor für den Datentransfer. Ziele des Trainings sind die individuelle Umschaltung eines oder mehrerer Sinne in die erweiterte Wahrnehmung, ein separater Datentransfer mit anderen Existenzen und die Möglichkeit zur direkten Telepathie. Dieser Trainingsabschnitt M1 umfasst 45 Doppelstunden und dauert 12 Monate.

Im Wahrnehmungstraining M2 geht es um einen fortgeschrittenen Eintritt in den Meditationszustand sowie die Fähigkeit der bewussten Betrachtung während der Meditation. Mit den erworbenen, bzw. bewusst gewordenen Fähigkeiten beschäftigen sich die Übungen mit der Betrachtung des inneren Aspekts (Ich), der Betrachtung des äußeren Aspekts (Mein), der Betrachtung des Verhältnisaspekts (Wir), der Betrachtung von Existenzen (Existenz), der Betrachtung von Phänomenen (Nichts) und einem Kommunikationsaustausch, der die tatsächliche Selbstfindung ermöglicht.