Auf dem Weg zum Ende des Menschseins

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Eine kurze Geschichte über Haben und Sein und die Werte, die wir damit verbinden.

Eines Nachmittags war ein Prediger zu Fuß auf einem abseits gelegenen Weg durch den Dschungel unterwegs. Der Weg war verlassen und außer ihm es gab niemanden, nur die Bäume und Pflanzen am Wegesrand waren seine Begleiter, kein Mensch und kein Haus waren weit und breit zu sehen. Der Dschungelprediger hatte eine kleine Tasche mit Proviant bei sich und ging den Weg entlang immer tiefer in den Dschungel hinein.
Durch die sengende Nachmittagssonne hielt sich der Dschungelprediger im Schatten der Bäume auf, wo er am Wegesrand nach kurzer Zeit einschlief.
Durch das Geräusch einer nahenden Kutsche und die Rufe des Kutschers wachte er plötzlich auf.
„Entschuldigung, ist das der Weg zum Ende des Menschseins?“, fragte der Kutscher.
„Ja, so hat man es mir gesagt, und deshalb gehe ich wie alle anderen auch dorthin“, sagte der Prediger.
Der Kutscher erwiderte: „Ich bin mit der Kutsche auf dem Weg dorthin und habe Gepäck und Proviant dabei. Aber ich habe noch genügend Platz und kann Sie gerne mitnehmen.“
Verneinend bedankte sich der Dschungelprediger: „Oh, herzlichen Dank mein Herr, aber mit meiner Wenigkeit und ohne Eile gehe ich lieber allein. Bis hierher habe ich es ja auch schon geschafft.“

Der Kutscher fragte weiter: „Warum wollen Sie zu Fuß gehen und die Bequemlichkeit der Kutsche ausschlagen?“
„Weil meine Bequemlichkeit eine Belastung für andere bedeutet“, erklärte der Prediger.
Doch der Kutscher blieb hartnäckig und sagte: „Nein, nein, Sie belasten mich nicht. Ich habe genug Proviant für uns beide sowie andere Bequemlichkeiten für die Übernachtung.“
„Geh du lieber komfortabel voraus auf dem Weg zum Ende des Menschseins mit all deinen Bequemlichkeiten“, antwortete der Prediger.
„Mein Ziel ist es, so schnell und bequem wie möglich dorthin zu gelangen und wieder zurück. Deshalb bin ich mit der Kutsche und dem Gepäck unterwegs!“, erklärte der Kutscher.
Daraufhin entgegnete der Prediger: „Nun, mein Ziel ist es, irgendwann einfach selbst anzukommen, daher lehne ich dein Angebot dankend ab.“
Später, als der Kutscher mit seiner Kutsche am Ziel ankam, erkannte er, dass der Dschungelprediger schon vor ihm eingetroffen war, obwohl er zu Fuß unterwegs war.
Verwundert fragte er: „Verehrter Herr, wie kann es sein, dass Ihr vor mir hier seid, obwohl ich mit der Kutsche gefahren bin?“
Der Prediger sah ihn an und sprach: „Durch Deine Last, die du mitgenommen hast. Ich hingegen war zwanglos unterwegs und bin so zum Ziel gekommen.“
Da fragte der Kutscher verwirrt: „Und wenn ihr schon vor mir hier wart, warum seid ihr dann nicht schon weitergegangen?“
„Um gemeinsam mit dir weiterzugehen“ entgegnete der Prediger.
„Dann steigt doch bitte jetzt in meine Kutsche“, schlug der Kutscher vor, doch der Prediger verneinte erneut: „Nein, mein guter Mann, für das Weitergehen gibt es keinen Weg, auf dem du deine Last mitnehmen kannst.“

Plai Tamin, Dezember 2013
(Übersestzung: Smingplai)

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